Ein Burgenländer-Witz? Leider nicht …

In der aktuellen Ausgabe der Wiener Straßenzeitung “Augustin” berichtet Judith Ruderstaller von “Asyl in Not” von einem Fall, der auf den ersten Blick dazu geeignet erscheint, die alten Wiener Vorurteile gegen die Burgenländer zu bestätigen. Bei näherem Hinsehen bestätigen sich allerdings eher die Vorurteile gegen die mit Ausländern befaßten Dienststellen des Innenministeriums, und dieses sitzt bekanntlich in Wien.

Der Bericht ist auch auf der Website von Asyl in Not verfügbar, hier eine kurze Zusammenfassung:

Ein Flüchtling, Mike, der in Haiti geboren und in Dominica aufgewachsen wurde, wird vom Bundesasylamt Eisenstadt mit der Abschiebung nach Nigerien bedroht, obwohl die nigerianische Botschaft den Mann — logischerweise — nicht als Nigerianer ankerkennt und daher kein Heimreisezertifikat ausstellen will.

Im Bundesasylamt Eisenstadt scheint nämlich die Existenz des Staates Dominica unbekannt zu sein, dieser wird mit der Dominikanischen Republik verwechselt, und nachdem Mike nicht spanisch spricht, wird seine Herkunft aus der Dominikanischen Republik angezweifelt. Allerdings — im Gegensatz zur Dominikanischen Republik spricht man in Dominica gar nicht Spanisch, sondern Englisch und Kreolisch, was Mike auch beides spricht.

Nachdem das Bundesasylamt Eisenstadt die von ihnen falsch verstandenen Angaben Mikes anzweifelt, läßt es eine “Sprachanalyse” durchführen. Der Experte (schade, dass sein Name im Augustin nicht genannt wird, er hätte es verdient, vor den Vorhang gerufen zu werden) kommt zu dem Schluß, daß Mike aus Nigerien stammt und verfügt, daß er dorthin abgeschoben wird.

Nur spielt leider (oder zum Glück???) die nigerianische Botschaft nicht mit, und das Verfahren wird abgebrochen und an das Bundesasylamt Eisenstadt zurückverwisen.

Dort schaltet man auf stur: man bezweifelt die Kompetenz der nigerianischen Botschaftsmitarbeiter, den Akzent von Mike zu beurteilen; schließlich hat der Experte befunden, er sei Nigerianer, wie kommt die Botschaft also dazu, das anzuzweifeln? (obwohl meiner Meinung nach der einfachste Nigerianer wohl eher einen Landsmann identifizieren kann, als der bedeutendste österreichische Experte!)

Jetzt geht das ganze zum Asylgerichtshof, und ganz egal wie der entscheidet, ich hoffe daß auch die nigerianische Botschaft auf stur schaltet und sich dauerhaft weigert, ein Heimreisezertifikat auszustellen.

Als jemand, der sehr viel mit Nigerianern zu tun hat, und ebenso mit Menschen aus der Karibiik, ist mir nicht klar, wie jemand, der nur einigermaßen sprachlich versiert ist, das karibische Englisch mit dem nigerianischen verwechseln kann; mir ist auch nicht klar, wie in Zeiten von Internet und Wikipedia österreichische Beamte so hartnäckig ignorant und unwissend sein können, daß sie die Existenz eines Staates einfach nicht zur Kenntnis nehmen, und sich (und unser Land) lieber vor den Mitarbeitern der nigerianischen Botschaft blamieren (wenn ihnen schon das Schicksal eines Flüchtlings wurscht ist).

Ich bin im allgemeinen kein Freund von pauschalen Beurteilungen wie ‘die Burgenländer” oder “die Kärntner” (im speziellen auch nicht, weil mein Schwiegersohn burgenländische Wurzeln hat). Und vielleicht sollte man auch das nicht zum Anlaß für solche Beurteilungen nehmen — schließlich ist man auch in Wien offenbar noch nicht daraufgekommen, den Beamten im Bundesasylamt Eisenstadt eine entsprechende geografische Nachhilfe zuteil werden zu lassen.

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Comments

  1. Das ist unglaublich. Vielen Dank für’s Teilen. Englisch für Kinder

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